Das Flechten liegt in den Genen - Der Korbmacher in Bochum
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Fährt man mit dem Finger über die Armlehne des Schaukelstuhls, kann man sie fühlen, die Jahresringe des Rattanrohres. Grau-braun schimmert das Möbelstück im Licht der Frühlingssonne. Die scheint durch das Fenster des Ladenlokals - und das ist neu.


Nachdem Korbmacher Eugen Keusch seinen Handel mit Körben und Co. mehr als zehn Jahre an der Wasserstraße in einem Zelt betrieben hat, umgeben nun zum ersten Mal in der Geschichte der Handwerkerfamilie gemauerte Wände die Werkstatt.


Weiden-Duft

Herb-holzige Luft weht Besuchern der Keuschs in ihrer neuen Geschäftsresidenz entgegen. "Das ist die Weide", sagt Inge Keusch. "Wenn man den Geruch nach fast zwei Jahren zum ersten Mal wieder riecht - das ist einfach unglaublich", erzählt die 41-Jährige. Zwei Jahre, so lange haben die Korbmacher pausiert. Pausieren müssen.


Der Pachtvertrag des Grundstücks, auf dem das große Verkaufs- und Werkstatt-Zelt stand, lief aus. Eine Chance auf Verlängerung gab es nicht. "Dabei haben wir uns dort eigentlich sehr wohl gefühlt", sagt Eugen Keusch, während er mit geschickten Fingern einen hell-beigen Rattanfaden durch das Netz fädelt, das einmal die neue Sitzfläche eines Thonet-Stuhls werden soll. Das Draußensein werde ihm gewiss im Sommer noch fehlen, sagt er. Aber vielleicht finde er auch vor seinem Geschäft (An der Landwehr) noch eine Lösung für die wärmeren Tage.


Telefonklingeln hallt durch den Raum, der einst eine Gaststätte war, und ruft Keusch von seiner Restaurationsarbeit weg. Die gehört zum Hauptgeschäft des Korbmachers. Rattanmöbel, geflochtene Sitzflächen von Stühlen, Heizungsverkleidungen aus Korb.


Das Telefonat dauert nicht lange. "Eine Kundin", sagt er, als er zurückkehrt. "Sie hat sich jetzt doch für die handgefertigte Sitzfläche entschieden", so Keusch und blickt auf einen Stuhl aus massivem cognacfarbenen Holz. Der ist eindeutig keine Massenware. "Jugendstil", sagt Inge Keusch mit Kennerblick. "100 Jahre hat der bestimmt auf dem Buckel." Dann darf einen auch schon mal die Sitzfläche verlassen.


Verschiedene Flechtarten


Wer sich gegen das vorproduzierte Gewebe von der Rolle und für die Handfertigung entscheidet, kann weiter auswählen: Sonnengeflecht, Wiener Kaffeehaus, Sterngeflecht - was aus dem Rattanrohr gewebt werden kann, ist eine Wissenschaft für sich.


Doch Eugen Keusch ist bewandert und seine Familiengeschichte lässt Verdacht schöpfen: Es gibt ein Korbmacher-Gen. Wenn es eines gibt, ist es Eugen Keusch sicher, er ist Korbmacher in der vierten Generation. Auch seine Frau Inge trägt die flechtende Erbmasse dann wohl in sich, stammt sie doch auch aus einer Korbmacherfamilie. Sie und Eugen kennen sich von Kindesbeinen an.


Der Biedermeier-Stuhl aus Massivholz verdient Handarbeit.

Autorin: Julia Wessel



Heimarbeit


Tagtäglich flechten die beiden Gewebe und Körbe, verkaufen Möbel aus unterschiedlicher Korbsubstanz. Herkunft, Flechten, Arbeiten, Liebe - wie ein Korbgewebe sind diese Facetten im Leben der Keuschs miteinander verflochten. Seit mehr als 23 Ehejahren ist dieses Gewebe stabil. "Wahrscheinlich, weil wir beide so ähnlich ticken und vollkommen verrückt nach unserem Beruf sind", sagt Inge Keusch und lacht. Niemals könnten sich die beiden vorstellen, etwas anderes zu machen.


Gut, dass die Wohnung der Keuschs direkt über dem Geschäft liegt. Oft kommt es vor, dass beide nach Feierabend noch einen Stuhl mit hochschleppen. Denn was macht ein geborener Korbmacher wohl am liebsten, während nebenbei der Fernseher läuft? Richtig, flechten.

17.03.2012

KORBMACHERFAMILIE KEUSCH:
DAS FLECHTEN LIEGT IN DEN GENEN


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